top of page

Artikel

Artikel basierend auf aktuellen Studienergebnissen zu den Themen Psyche · Ernährung · Psychoneuroimmunologie 

· Lifestyle-Interventionen

Search

Burnout: Ein Überlastungssyndrom – nicht zwangsläufig eine psychische Krankheit

  • Mag. Sabrina Pfeffer
  • Mar 12
  • 4 min read

In der öffentlichen Diskussion wird das Burnout-Syndrom oft als psychische Erkrankung dargestellt. Aus Sicht der klinischen Psychoneuroimmunologie (kPNI) wird Burnout heute jedoch anders betrachtet: Es gilt als Syndrom chronischer Überlastung, das durch langfristigen Stress entsteht und sich aus einer komplexen Wechselwirkung von psychischen, körperlichen und sozialen Faktoren zusammensetzt.


Entscheidend ist dabei, dass die Symptome nicht allein durch klassische psychiatrische Erkrankungen erklärbar sind. Vielmehr spiegeln sie ein Zusammenspiel von Dauerstress, unzureichender Stressregulation und biologischen Reaktionen des Körpers wider. Burnout wird somit in der kPNI als systemischer Zustand verstanden, bei dem Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel und psychosoziale Belastungen gemeinsam wirken.


Wann spricht man von Burnout?


Von einem Burnout wird gesprochen, wenn folgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Es liegt eine längerfristige Überlastung vor.Betroffene erleben über längere Zeit hohe Anforderungen, häufig im beruflichen Kontext.

  2. Die Beschwerden dauern länger als sechs Monate an.

  3. Erschöpfung und Müdigkeit stehen im Mittelpunkt der Symptome.

  4. Es kommt zu deutlichen Einschränkungen im beruflichen oder sozialen Leben.

  5. Die Beschwerden lassen sich nicht ausschließlich durch eine psychiatrische Erkrankung erklären.


Symptomatik


Burnout äußert sich durch eine Kombination aus körperlichen, emotionalen und kognitiven Beschwerden. Häufig treten mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auf:


  • starke Ermüdung und Erschöpfung

  • unruhiger oder unterbrochener Schlaf

  • Reizbarkeit

  • Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme

  • das Gefühl, ständig in Eile zu sein

  • Druck und Unsicherheit, Anforderungen nicht bewältigen zu können


Viele Betroffene berichten außerdem über ein Gefühl von Kontrollverlust oder Ohnmacht. Sie haben den Eindruck, die Anforderungen ihres Alltags nicht mehr ausreichend steuern zu können.


Primäre und sekundäre Symptome


Die Forschung unterscheidet zwischen Kernsymptomen und Begleitsymptomen.


Primäre Symptome

Die drei wichtigsten Merkmale eines Burnouts sind:

1. Erschöpfung: Betroffene fühlen sich emotional und körperlich ausgelaugt. Selbst einfache Aufgaben können als anstrengend empfunden werden.

2. Zynismus oder Depersonalisierung: es entsteht eine distanzierte oder negative Haltung gegenüber Arbeit oder Mitmenschen. Betroffene fühlen sich emotional abgestumpft.

3. Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit: viele Menschen mit Burnout haben das Gefühl, ihre Arbeit nicht mehr kompetent ausführen zu können.


Sekundäre Symptome

Neben den psychischen Beschwerden treten häufig auch körperliche Symptome auf, beispielsweise:

  • häufige Erkältungen oder grippeähnliche Symptome

  • Magen-Darm-Beschwerden

  • erhöhte Infektanfälligkeit


Eine mögliche Erklärung liefert die Forschung von Mommersteeg (2006). Chronischer Stress kann die Produktion des entzündungshemmenden Botenstoffs Interleukin-10 (IL-10) erhöhen. Dadurch kann das Immunsystem teilweise unterdrückt werden, was die erhöhte Krankheitsanfälligkeit erklären könnte.


Der biologische Mechanismus hinter Burnout


Um Burnout besser zu verstehen, untersuchen Wissenschaftler, wie der Körper auf langfristigen Stress reagiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Stresshormon Cortisol.


Normalerweise funktioniert das Stresssystem des Körpers so:

  1. Morgens steigt der Cortisolspiegel an.

  2. Dadurch werden wir wach, aufmerksam und leistungsfähig.

  3. Im Laufe des Tages sinkt der Spiegel wieder.


Bei langfristigem Stress kann dieses System jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Eine Studie von Robert Juster beschreibt drei zentrale Veränderungen:


1. Hohe allostatische Belastung


Der Begriff allostatische Belastung bezeichnet die kumulative Belastung des Körpers durch chronischen Stress und beschreibt einen Zustand kontinuierlicher Überbeanspruchung. Wenn eine Person über Monate oder Jahre hinweg dauerhaft Stress ausgesetzt ist – beispielsweise durch hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, große Verantwortung oder berufliche Konflikte – muss der Körper wiederholt Stressreaktionen aktivieren.


Zu diesen physiologischen Reaktionen gehören unter anderem:

  • Ausschüttung von Stresshormonen

  • Erhöhung der Herzfrequenz

  • Aktivierung des autonomen Nervensystems


Kurzfristig sind diese Prozesse adaptiv und notwendig. Bleiben sie jedoch dauerhaft bestehen, gerät der Körper in einen Zustand chronischer Alarmbereitschaft – vergleichbar mit einem Motor, der ständig im höchsten Gang läuft. Langfristig führt dies zu einer systemischen Erschöpfung und erhöhtem Risiko für körperliche und psychische Beeinträchtigungen.


2. Niedrige Cortisolwerte am Morgen


Normalerweise steigt der Cortisolspiegel direkt nach dem Aufwachen deutlich an. Dadurch wird der Körper aktiviert und erhält Energie für den Tag.


Bei Menschen mit Burnout zeigt sich jedoch häufig:

  • ein ungewöhnlich niedriger Cortisolspiegel am Morgen


Das bedeutet, dass der Körper Schwierigkeiten hat, ausreichend Energie bereitzustellen. Betroffene fühlen sich daher häufig:

  • sehr müde

  • erschöpft

  • antriebslos


Selbst nach ausreichend Schlaf entsteht oft das Gefühl, nicht wirklich erholt zu sein.


3. Verminderte Cortisol-Aufwachreaktion


Ein besonders wichtiger Mechanismus ist die sogenannte Cortisol-Aufwachreaktion.


Normalerweise passiert folgendes:

  • In den ersten 30–45 Minuten nach dem Aufwachen steigt der Cortisolspiegel stark an.

  • Dieser Anstieg aktiviert das Gehirn und bereitet den Körper auf den Tag vor.


Bei Burnout ist dieser Mechanismus häufig abgeschwächt.

Das bedeutet:

  • der Cortisolanstieg ist geringer

  • der Körper wird weniger stark aktiviert

  • Energie, Motivation und Konzentration fehlen


Persönlichkeitsmerkmale


Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können das Risiko für Burnout beeinflussen.


Risikopersönlichkeit:

Typische Eigenschaften sind:

  • hoher Neurotizismus

  • negative emotionale Grundstimmung

  • depressive Tendenzen

  • Vermeidungsverhalten

  • geringe/mangelnde Erfahrung im Umgang mit Stress


Schutzpersönlichkeit:

  • Extraversion

  • Neugier und Offenheit für Neues

  • Resilienz

  • Erfahrung im Umgang mit Stress


Mögliche Interventionen


Neben psychologischen und organisatorischen Maßnahmen werden in der Praxis teilweise auch pharmakonutritionelle Ansätze diskutiert. Diese zielen darauf ab, den Körper bei der Stressregulation und Energieproduktion zu unterstützen.


Zu den häufig genannten Maßnahmen gehören:


  • Vitamin-B-reiche Supplemente sind wichtig für den Energiestoffwechsel sowie für die Funktion des Nervensystems.

  • CPNI-11S und CPNI-11D: Diese Substanzen werden in einigen Konzepten zur Unterstützung der Stressregulation eingesetzt.

  • Magnesium: spielt eine wichtige Rolle bei der Muskel- und Nervenfunktion und kann zur Regulation der Stressreaktion beitragen.

  • Zink: ist an zahlreichen enzymatischen Prozessen beteiligt und unterstützt das Immunsystem.

  • Omega-3-Fettsäuren: diese Fettsäuren können entzündungshemmend wirken und möglicherweise die Funktion des Nervensystems unterstützen.


Diese Maßnahmen ersetzen jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, sondern können – je nach individueller Situation – als ergänzende Unterstützung betrachtet werden.

 
 
 

Comments


bottom of page